Wonach bemisst sich der Schaden bei einer fehlerhaften Anlageberatung?

Bei Anlegern herrschen häufig Missverständnisse darüber, wann bei einer fehlerhaften Anlageberatung von einem Schaden auszugehen ist.

Eine fehlerhafte Anlageberatung, z.B. durch Banken oder freie Finanzanlagenvermittler, führt nicht erst dann zum Schaden, wenn die empfohlene Anlage an Wert verliert. Der Schaden tritt bereits vielmehr mit Erwerb einer “unpassenden” Kapitalanlage ein.

Oder um es mit den Worten der Rechtsprechung zu sagen: Bei einer Aufklärungs- oder Beratungspflichtverletzung stellt der Erwerb einer für den Anlageinteressenten nachteiligen, weil seinen konkreten Anlagezielen und Vermögensinteressen nicht entsprechenden Kapitalanlage, bereits für sich genommen einen Schaden dar. Der Schadensersatzanspruch entsteht daher schon mit dem unwiderruflichen und vollzogenen Erwerb der Anlage (vgl. BGH, Urteil vom 24. März 2015 – XI ZR 278/14; BGH, Urteil vom 24.03.2011 – III ZR 81/10; BGH, Urteil vom 8. Juli 2010 – III ZR 249/09; BGH, Urteil vom 8. März 2005 – XI ZR 170/04).

Beispiel:

Ein Anleger lässt sich von einem Bankberater über die Anlage eines Geldbetrages beraten. Der Bankberater empfiehlt ihm einen geschlossenen Investmentfonds mit 10jähriger Laufzeit, obwohl der Anleger darauf hingewiesen hat, dass er über das investierte Kapital jederzeit verfügen muss.

Der Schaden entsteht in diesem Fall nicht erst nach Ablauf der 10jährigen Laufzeit, sondern bereits mit schuldrechtlichem Erwerb der Fondsbeteiligung. Der Anleger ist bereits zu diesem Zeitpunkt geschädigt, weil er aufgrund der fehlerhaften Anlageberatung eine für seine Bedürfnisse unpassende Kapitalanlage erworben hat.

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