Wie verhält man sich am besten nach einem Verkehrsunfall?

Wenn man in einen Autounfall verwickelt wird, ist der Schock meistens groß. Trotzdem sollte man immer versuchen, einige wichtige Punkte zu beherzigen, damit es später zu keinem (vermeidbaren) Ärger kommt.

Unfall am besten immer durch Polizei aufnehmen lassen

Die Polizei ist zwar nicht dafür zuständig, die Schadensersatzpflicht zu klären. Trotzdem empfiehlt es sich, die Polizei zu rufen, wenn man unverschuldet in einen Autounfall verwickelt wurde. Die Polizei nimmt dann das Unfallgeschehen sowie die beteiligten Fahrzeuge und Fahrer auf. Diese Angaben erleichtern eine spätere Schadensregulierung. Sollte ein eigenes Verschulden im Raum stehen, sollten Sie sich in keinem Fall selbst belasten, Angaben zur Person und zum Fahrzeug genügen.

Wichtig: Bei kleineren Parkschäden reicht es nicht aus, einfach einen Zettel am beschädigten Fahrzeug mit den eigenen Kontaktdaten zu hinterlassen. Wer den Unfallort so vorzeitig verlässt, riskiert ein Ermittlungsverfahren wegen unerlaubtem Entfernen vom Unfallort (§ 142 StGB).

Eigene Versicherung informieren

Wenn zumindest eine Teilschuld im Raum steht oder der andere Verkehrsteilnehmer Schadensersatzansprüche anmeldet, müssen Sie unverzüglich Ihre eigene Kfz-Haftpflicht informieren. Ebenso müssen Sie unverzüglich ihre eigene Vollkaskoversicherung informieren, wenn diese später den Schaden regulieren soll.

Kostenvoranschlag bzw. Sachverständigengutachten einholen

Zur Schadensregulierung benötigen Sie regelmäßig einen Kostenvoranschlag einer Reparaturwerkstatt oder ein Sachverständigengutachten. Als Faustformel können Sie sich Folgendes merken:

Bei Bagatellschäden (bis circa 1.000 € Schaden) reicht ein Kostenvoranschlag einer Reparaturwerkstatt nebst Fotos vom beschädigten Fahrzeug. Ein Sachverständigengutachten ist dann nicht nötig (und auch nicht erstattungsfähig). Geht es um eine aufwändigere Reparatur oder um einen Totalschaden, sollten Sie einen KFZ-Sachverständigen mit der Erstellung eines Schadensgutachtens beauftragen. Den Sachverständigen dürfen Sie sich frei aussuchen.

Lassen Sie sich in jedem Fall eine Kopie der Sachverständigenrechnung aushändigen, auch wenn dieser gegenüber der gegnerischen Haftpflichtversicherung abrechnet.

Alle finanziellen Aufwendungen notieren

Sämtliche finanziellen Aufwendungen, die im Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall stehen, sollten vorsorglich protokolliert und es sollten Belege gesammelt werden (z.B. Besuchskosten für den Besuch verletzter Angehöriger). Diese Aufwendungen können am Ende erstattungsfähig sein! Nähere Informationen finden Sie auch in meinem Beitrag “Mögliche Schadenspositionen beim Verkehrsunfall”.

Rechtsanwalt aufsuchen

Einen unverschuldeten Verkehrsunfall müssen Sie nicht selbst regulieren! Sie dürfen sofort einen Rechtsanwalt mit der Schadensregulierung beauftragen, auch wenn Ihnen die Versicherung bereits Fragebögen o.ä. zugeschickt hat. Die gegnerische KFZ-Haftpflichtversicherung muss auch die Kosten des Rechtsanwalts erstatten. Sie brauchen sich also selbst um nichts zu kümmern.

Muss man sein Fahrzeug reparieren lassen?

Der Geschädigte hat grundsätzlich die Wahl: Entweder er lässt sein Auto reparieren und reicht die Reparaturrechnung ein.

Bei kleineren Beulen oder Lackkratzern, die nicht stören, kann der Geschädigte auch auf eine Reparatur verzichten (oder diese selbst vornehmen). Er darf dann den Schaden “fiktiv” abrechnen, also auf Basis des Sachverständigengutachtens. Dann bekommt er allerdings nur die Netto-Reparaturkosten ohne Mehrwertsteuer erstattet.

Bei einem Totalschaden wird dagegen die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert erstattet.

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