Betrüger gehen immer raffinierter vor, um sich an fremden Bankkonten zu berreichern. Ein aktuelles Phänomen ist das sogenannte Call-ID-Spoofing, wovor unter anderem auch die Bundesnetzagentur warnt. Hierbei wird die Absenderrufnummer manipuliert. Dem Opfer wird dann suggeriert, er erhalte einen Anruf von seiner Bank. Anschließend wird versucht, den Kunden dazu zu bewegen, über sein Smartphone eine Transaktion freizugeben, z. B. unter dem Vorwand, sein Konto sei bereits gehackt worden und müsse entsperrt werden. In Wahrheit wird ein weiteres Gerät für die 2-Faktor-Authentifizierung freigeschaltet, mit welchem dann missbräuchliche Verfügungen vom Bankkonto des Opfers vorgenommen werden.

Während das LG Köln in einer solchen Konstellation eine grobe Fahrlässigkeit des Kunden verneinte, ging das OLG Bremen nun in einem Hinweisbeschluss vom 15.04.2024 davon aus, dass eine Bank die Erstattung missbräuchlicher Zahlungsvorgänge verweigern darf, wenn der Kunde einem vermeintlichen Bankmitarbeiter am Telefon eine TAN durchgibt (OLG Bremen, Beschluss vom 15.04.2024, Az. 1 U 47/23):

„Dass – wie die Klägerin geltend macht – bei dem Anruf eine Rufnummer der Beklagten angezeigt worden sei und ihr nicht bekannt gewesen sei, dass eine Rufnummernanzeige manipuliert werden könne, steht der Annahme einer groben Fahrlässigkeit bereits deswegen nicht entgegen, weil nach den vereinbarten Sonderbedingungen für das Online-Banking jede mündliche Mitteilung einer TAN pflichtwidrig ist und TANs vom Bankkunden lediglich im Online-Banking-System selbst weiterzugeben sind. Dem Vorwurf grober Fahrlässigkeit ist daher nicht damit zu begegnen, dass die Klägerin glaubte, mit einem Bankmitarbeiter zu sprechen. Hinzu kommt im vorliegenden Fall, dass – wie bereits das Landgericht zutreffend ausgeführt hat – die Klägerin auch hätte hinterfragen müssen, warum ein angeblicher Mitarbeiter von der Sicherheitsabteilung der Beklagten namens […] mit der Durchwahl des normalerweise für die Klägerin zuständigen Sachbearbeiters bei ihr anrufen sollte. Es kann auch nicht als einleuchtend angesehen werden, dass – wie der Klägerin nach ihrem Vorbringen von dem Anrufer mitgeteilt worden sein soll – die Klägerin im Fall eines Rückrufs in eine Warteschleife geraten sollte, wenn sie nicht die allgemeine Telefonnummer der Bank, sondern eine Durchwahl anrufe, obwohl rasches Handeln nach den Angaben des Anrufers erforderlich sei.“

Man sieht also, verschiedene Gerichte kommen bei der Frage, inwiefern einem Kunden der Vorwurf grober Fahrlässigkeit gemacht werden kann, durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen.