Fahren ohne Führerschein – Welche Strafen drohen?

Wer ohne Führerschein trotzdem ein Kraftfahrzeug fährt, riskiert empfindliche Strafen bis hin zu einer Freiheitsstrafe. Wovon dies im Einzelnen abhängt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Unterschied zwischen Führerschein und Fahrerlaubnis

Für die rechtliche Betrachtung muss zunächst immer zwischen zwei Tatbeständen unterschieden werden:

  • Fahren ohne Führerschein
  • Fahren ohne Fahrerlaubnis (oder trotz Fahrverbot)

Die Begriffe Führerschein und Fahrerlaubnis werden häufig miteinander vermengt. Rechtlich gesehen besteht zwischen den beiden Begriffen jedoch ein erheblicher Unterschied.

Unter der Fahrerlaubnis versteht man die rechtliche Befugnis, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen. Für die Erteilung einer Fahrerlaubnis müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, die in der „Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr“ (Fahrerlaubnis-Verordnung – FeV) geregelt sind. Für die Erlangung einer Fahrerlaubnis ist regelmäßig erforderlich, eine Fahrprüfung in einer Fahrschule zu bestehen.

Der Führerschein dagegen stellt lediglich das Ausweispapier da, auf welchem die Fahrerlaubnis vermerkt ist. Im Führerschein werden zum Beispiel auch bestimmte Beschränkungen (zum Beispiel die Pflicht zum Tragen einer Sehhilfe) vermerkt.

Fahren ohne Führerschein

Wer lediglich ohne Führerscheindokument fährt, aber über eine Fahrerlaubnis verfügt, kommt bei einer Verkehrskontrolle regelmäßig glimpflich davon. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Ordnungswidrigkeit. Gemäß § 4 Abs. 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung ist der Fahrzeugführer verpflichtet, seinen Führerschein beim Führen von Kraftfahrzeugen mitzuführen und zuständigen Personen auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen.

„Die Fahrerlaubnis ist durch eine gültige amtliche Bescheinigung (Führerschein) nachzuweisen. Beim Führen eines Kraftfahrzeuges ist ein dafür gültiger Führerschein mitzuführen und zuständigen Personen auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen. Der Internationale Führerschein oder der nationale ausländische Führerschein und eine mit diesem nach § 29 Absatz 2 Satz 2 verbundene Übersetzung ist mitzuführen und zuständigen Personen auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen.“

Bei einem Verstoß droht lediglich ein Bußgeld in Höhe von zehn Euro (Nr. 251 Bußgeldkatalog (BKat)).

Fahren ohne Fahrerlaubnis

Beim Fahren ohne Fahrerlaubnis handelt es sich nicht mehr um eine bloße Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat. Nach § 21 Straßenverkehrsgesetz (StVG) wird Fahren ohne eine erforderliche Fahrerlaubnis mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet.

Fahren trotz Fahrverbot

Ebenso stellt es eine Straftat dar, wenn man trotz eines aktuellen Fahrverbots ein Kraftfahrzeug führt. Fahrverbote können z.B. wegen schwerwiegender Verstöße gegen Straßenverkehrsregeln auferlegt werden. Verstöße, die laut Bußgeldkatalog mit 2 Punkten oder mehr bestraft werden, haben regelmäßig ein Fahrverbot zur Folge. Dazu zählen zum Beispiel erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen, Alkoholdelikte oder der sog. qualifizierte Rotlichtverstoß. Bei einem Fahrverbot muss der Inhaber den Führerschein bei der zuständigen Behörde abgeben. Fährt er während des Fahrverbots trotzdem ein Kraftfahrzeug, wird dies ebenfalls als Straftat gemäß § 21 Abs. 1 StVG geahndet.

Auch der Halter kann bestraft werden

Nicht nur der Fahrer, der ohne Fahrerlaubnis ein Kraftfahrzeug bewegt, begeht eine Straftat. Auch der Fahrzeughalter, der sein Fahrzeug durch jemanden führen lässt, der über keine Fahrerlaubnis verfügt oder dem ein Fahrverbot auferlegt worden ist, macht sich unter Umständen strafbar. Das ergibt sich aus § 21 Abs. 1 Nr. 2 Straßenverkehrsgesetz:

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

[…]

2. als Halter eines Kraftfahrzeugs anordnet oder zulässt, dass jemand das Fahrzeug führt, der die dazu erforderliche Fahrerlaubnis nicht hat oder dem das Führen des Fahrzeugs nach § 44 des Strafgesetzbuchs oder nach § 25 dieses Gesetzes verboten ist.

Auch die Einziehung des Fahrzeugs droht

Unter Umständen kann auch eine Einziehung des Fahrzeugs drohen. § 21 Abs. 3 StVG ermöglicht dem Richter unter bestimmten Voraussetzungen, das Kraftfahrzeug, mit welchem ohne Fahrerlaubnis gefahren wurde, einzuziehen. Das kommt insbesondere in solchen Fällen in Betracht, in welchem wiederholt ohne Fahrerlaubnis gefahren wird.

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